Die Italia wird hundert Jahre alt
Es war der 5. Mai 1909 als der Dampfer „Italia” zu seiner ersten Testfahrt auf dem Gardasee aufbrach. Und diese sorgte für Aufregung und Durcheinander bei dem Beamten des österreichischen Zolls in Riva del Garda. Vielleicht war er von der Größe des Schiffes beeindruckt oder vielleicht störte ihn der Name.
Tatsache ist, dass er dem Kapitän untersagte, vor Anker zu gehen. Der Kapitän folgte den Anweisungen des Zollbeamten und befahl die Weiterfahrt. Es ging nach Torbole und dann weiter nach Peschiera.
Der Dampfer „Italia“ ist noch heute auf dem Gardasee unterwegs – allerdings ist er inzwischen Motor betrieben. Vor wenigen Tagen wurde der hundertste „Geburtstag“ des Schiffes gebührend gefeiert. Der Dampfer ist nicht das älteste auf dem Gardasee verkehrende Schiff. Noch älter sind das Motorschiff „Baldo“ (Baujahr 1900) und der Dampfer „Zanardelli“ (Baujahr 1903).
Die „Italia“ wurde im Auftrag der Firma Mangilli in der Werft Escher Wiss in Zürich gebaut. Sie ist 50,22 Meter lang, 6,5 Meter breit und kann heute bis zu sechshundert Personen transportieren. 221 der Sitzplätze sind überdacht. Anfang des letzten Jahrhunderts konnten auf dem Schiff sogar bis zu achthundert Personen transportiert werden. Gemeinsam mit seinem „Zwilling“ (dem Dampfer Lombardia) war der Dampfer der letzte und imposanteste der „Salon-Dampfer“ des Gardasees.
Könnte die „Italia“ sprechen, dann hätte sie viel zu erzählen: von Unfällen und Schiffsbrüchen, aber auch von Erfolgen. Die Geschichte der „Italia“ ist eng mit der Geschichte der Schifffahrt auf dem Gardasee verflochten.
Zu Beginn war da die „Arciduca Ranieri“, das erste Dampfschiff, das im Jahr 1827 in der Werft von Desenzano vom Stapel lief. In Auftrag gegeben worden war der Dampfer von der „Mailänder Gesellschaft für Dampfschifffahrt auf den Seen des lombardischen-venetischen Reiches. Die Gesellschaft hatte vom Kaiser Österreichs eine 15jährige Schifffahrtskonzession für den See erhalten. Hiermit begann die Geschichte der Dampfschifffahrt. In den kommenden zwei Jahrhunderten hat sich die Dampfschifffahrt auf dem Gardasee kontinuierlich entwickelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts liefen drei große Dampfer vom Stapel: die Baldo, die Zanardelli und die Italia.
Die „Italia“ wurde im Laufe der letzten hundert Jahre von Zeit zu Zeit zweckentfremdet. 1915 wurde sie vom italienischen Heer konfisziert und kam bei der Evakuierung von Flüchtlingen aus Kriegszonen zum Einsatz; 1945 wurde das Schiff von den Deutschen in ein Krankenhaus für die verletzten Soldaten verwandelt. Es lag in Sirmione vor Anker und wurde mit dem Symbol des Roten Kreuzes versehen. Doch dies reichte anscheinend nicht: Am 12. Januar 1945 wurde der Dampfer von vier angloamerikanischen Jagdbombern getroffen. Die obere Brücke wurde durch die auf die Explosion folgenden Flammen zerstört Am 18. Januar wurde die Italia erneut bombardiert. Sie ging unter. Erst im Jahr 1949 wurde sie geborgen und restauriert. Im Jahr 1951 nahm sie ihren Dienst wieder auf. Auch Schiffsbruch erlitt die Italia: am 10. Juni 1923 lief sie sich bei Campione fest. Die Passagiere mussten damals mit kleinen Booten gerettet werden.
Ein wichtiges Jahr war das Jahr 1976: die Dampfmaschine wurde durch einen modernen Dieselmotor ersetzt, die obere Brücke wurde geschlossen und der Schornstein wurde gekürzt.
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