Nabucco 2017: das Melodrama von Verdi spielt in der Habsburger Zeit

Freitag, 05 Mai 2017 22:52
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Arena di Verona: die Erstaufführung am 23. Juni wird mit Ungeduld erwartet Arena di Verona: die Erstaufführung am 23. Juni wird mit Ungeduld erwartet

Am 23. Juni ist es soweit und in der Arena von Verona werden mit einer Neuinszenierung des Nabucco die 95. Opernfestspiele eröffnet. 

Für die Regie, das Bühnenbild und die Kostüme zeichnet der Franzose Arnaud Bernard verantwortlich. Seine Neuinszenierung verspricht schon jetzt ein großer Erfolg zu werden. Die Inszenierung, die von der Fondazione Arena produziert wird, wird sicherlich Anlass zu Diskussionen geben: das Bühnenbild nimmt nicht das traditionell biblische Szenarium auf, sondern lehnt sich an die „Cinque Giornate“ (Fünf Tage) von Mailand zu Zeiten des italienischen Widerstandes gegen das österreichisch-ungarische Reich an. Bernard lässt diese Geschehnisse mit denen der Oper zusammentreffen. „Meine Absicht war es, ein Konzert in Kostümen zu vermeiden. Mein Nabucco“, so Bernard in der Pressekonferenz, „wird ein cineastisches Werk im Stile von Visconti sein - mit der Bewegung von Massen und Barrikade- und Kampfszenen; eine Nachstellung der Kämpfe vom März 1848 in Mailand. In der Stadt – damals Hauptstadt des österreichischen Lombardei-Veneto – kämpfte die Bevölkerung gegen das kaiserliche Heer unter Feldmarschall Radetzky“ (jener des berühmten Marsches). In der Tat hat Giuseppe Verdi die Oper, die für ihren Chor „Va‘ Pensiero“ berühmt ist, in die babylonische Zeit verlegt, doch spielte sie klar auf die geopolitische Situation der italienischen Bevölkerung an, die nach der Unabhängigkeit vom Kaiserreich strebte. Es kommt nicht von ungefähr, dass auf dem Tisch der Pressekonferenz unter dem Titel „Ikonografische Eindrücke“ Bilder des Kaisers, österreichische Uniformen, die Scala von Mailand und Barrikaden zu sehen waren. Es wird interessant sein, die Reaktionen des Publikums zu beobachten: einerseits die der „Puristen“, die die Oper in einer völlig neuen und originellen, aber sicher intriganten Inszenierung (laut Bernard eine Herausforderung) sehen werden und andererseits das deutschsprachige Publikum, das gerne das Amphitheater besucht. Für sie ist diese Inszenierung ein Grund mehr, die Erstaufführung oder eine der elf Repliken, nicht zu verpassen.
An dem Nabucco 2017 werden einige Größen der Opernwelt teilnehmen. Am Dirigentenpult wird Daniel Oren stehen. Der aus Israel stammende Dirigent ist ein alter Bekannter der Arena. Seit 1984 nimmt er regelmäßig an den Festspielen in Verona teil und seine Anwesenheit ist für den Erfolg des Festivals eine Garantie. Im Laufe der Saison werden noch viele weitere bekannte Künstler in der Arena auftreten. Zu ihnen zählt Fiorenza Cedolins. Sie wird in der Tosca zu sehen sein. Angekündigt wurde auch die Teilnahme von Maria Josè Siri. Sie hat die letzte Opernsaison in der Scala von Mailand eröffnet.